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OPUS: Echo of Starsong im Test

Ein Spiel, das meine Aufmerksamkeit beim diesjährigen asobu Indie-Showcase besonders auf sich zog, war OPUS: Echo of Starsong. Die taiwanesischen Entwickler SIGONO INC. werden dir wahrscheinlich genau so wenig sagen, wie der Titel des Spiels.

Dabei steckt in OPUS: Echo of Starsong so viel Herz, dass es die große Bühne verdient! Ich bin sogar der Meinung, dass dieses Indie-Puzzle-Adventure eines der besten Neuerscheinungen in diesem Jahr ist.

Warum mich die Mischung aus Science-Fiction und Fantasy/Mystik so überzeugt hat, erfährst du in diesem Test.

Aller Anfang ist schwer

Der erste und offensichtlichste Grund ist dabei die Spielwelt beziehungsweise das Setting: Man wird unverblümt in ein fremdes Universum geworfen, dass sich erst nach und nach entfaltet:

Ein rotes Raumschiff landet auf einem unbekannten Asteroiden. Dann steigt ein alter Mann mit Krückstock und gebeugtem Rücken heraus und bewegt sich in einem gehetzten Tempo durch die Ruine, die an eine futuristische Aztekenzivilisation erinnert.

Nach den ersten Schritten erhalten wir die Kontrolle über den alten Mann und laufen in einem 2,5D-Raum von links nach rechts. Im gleichen Moment setzt eine traurig anmutende Pianomusik ein.

Wer bin ich?

Wir straucheln, aber fangen uns im letzten Moment, um einen Sturz zu verhindern – Glück gehabt! Dann ruft uns jemand aus unserem Raumschiff an und versucht den alten Herrn wieder zurückzuholen: Für ein Clan-Oberhaupt sei die Erkundung eines unbekannten Asteroiden viel zu gefährlich.

Doch unsere Spielfigur, deren Name sich jetzt als Jun Lee herausstellt, antwortet trotzig und führt seinen Weg unvermittelt fort.

Wir gehen diesen Weg sehr langsam, aber dafür hat das Spiel nun Zeit, etwas über seine Welt zu erklären.

Fragen über Fragen

Leider sind die Antworten zunächst unbefriedigend, denn unsere Fragen – wer, wie, wo und warum – werden mit Begriffen beantwortet, die ihrerseits wieder eine Erklärung benötigen.

Am Anfang hat mich dies wirklich sehr irritiert. Dass das Spiel darüber hinaus ausschließlich in Englisch, Japanisch oder Chinesisch verfügbar ist, macht die Sache nicht einfacher.

Aber genau hier zeigt sich die wohl größte Stärke von OPUS: Echo of Starsong: Die Spielwelt ist so durchdacht und reich an Geschichte, dass eine ausführliche Erklärung aus dem Beginn des Spiels eine digitale Schulstunde machen würde.

Die Spielwelt selbst entdecken

Schlacht hier, Krieg da und ach ja, die Götter spielen auch in allem eine Rolle. Doch SIGONO INC. wählt einen anderen Weg als den des stumpfen Erklärens. Wir werden in die Welt geworfen und lernen beim Spielen, was diese Galaxie überhaupt ausmacht.

Anders als bei Dark Souls, fühlt man sich in Thousand Peaks, so der Name des Sonnensystems im Spiel, schnell heimisch. Denn wer fleißig die unzähligen Textboxen liest, lernt die Welt und ihre Bewohner zu verstehen. Man braucht also keine Youtuber zu schauen, die einem die Geschichte erst erklären (Hallo VaatiVidya).

Das eigenständige Entdecken ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Lesen. Im Spiel wirst du neben klassischen Dialog-Textboxen auch bildschirmfüllende Absätze über einzelne Asteroiden, Planeten und Raumstationen lesen (müssen).

Okay und was macht man jetzt im Spiel?

Abseits vom Lesen gibt es noch einige andere wichtige Aspekte des Spiels.

So ist die Erkundung von Tempeln und Schreinen auf Asteroiden, die von dieser alten Zivilisation erbaut wurden, der wohl spannendste Teil des Gameplays. Und auch ein sehr hübscher: Der Low-Poly-Look verleiht dem Ganzen noch eine extra Portion Mystik.

Wir laufen alleine oder zusammen mit einem Begleiter durch die 2,5D-Bauwerke und sammeln unterwegs allerhand Zeug auf, welches wir später verkaufen können und lesen (mal wieder) Reliefs, Schriften an Wänden und interpretieren Malereien und Gottesabbildungen.

Es werden insgesamt nur wenige solcher Asteroiden tatsächlich zu Fuß erkundet. Aber dafür ist jede Tempelanlage individuell und stilsicher gestaltet und dabei eine angenehme Abwechslung vom ganzen Lesen.

Über Lieder und Frequenzen

Innerhalb der 2,5D-Erkundungstour auf den optisch manchmal verzaubernd schönen Asteroiden, stoßen wir auch häufig auf monumentale Tore, die sich entweder direkt oder nur indirekt öffnen lassen.

Die Tor-Mechanik wird gesteuert und angetrieben durch sogenanntes Lumen. Was genau das ist, solltest du besser selbst herausfinden. Für jetzt genügt zu wissen, dass das Lumen eine Art Treibstoff ist, das auf Schwingungen beziehungsweise Frequenzen reagieren kann.

Einige wenige Menschen haben die Gabe, zum einen zu „fühlen“ bei welcher Frequenz sich das Lumen z. B. in einem Tor verhält und zum anderen können sie es auch „singen“. Daher auch der Titel Starsong.

Man kann dieses System mit dem Schlüssel-Schloss-Prinzip vergleichen. Ein Starsong beziehungsweise die richtige Frequenz ermöglicht den Zugang zu verschiedensten Gerätschaften der antiken Kultur.

Und natürlich haben wir solch einen begabten Menschen in unserem kleinen Team. Er öffnet uns nicht nur Tore, sondern legt auch das Grundwerk der Geschichte.

Schwache Puzzleabschnitte

Wie genau das alles abläuft, will ich dir nicht verraten. Nur so viel: Nachdem man ein passendes Lied gefunden hat, ist das Tor noch nicht offen. Zunächst muss man das Lied richtig kalibrieren.

Dafür wird an ein Tor herangezoomt und wir verschieben daraufhin die Ausschläge eines Audio-Spektrum-Analysators in die richtige Höhe und Breite.

Dieses Vorgehen stellt sich in der Praxis leider als simples Trial & Error heraus. Man schiebt so lange herum, bis es mal passt. Wirkliche Kopfnüsse muss man hier nicht erwarten.

Und Spaß haben diese Puzzles deswegen auch kaum gemacht.

Unterwegs mit der Red Chamber

Aber wie gesagt, die Abenteuer in einer Tempelanlage sowie die Puzzles sind recht selten. Viel mehr Zeit wirst du in der Navigator-Ansicht verbringen.

Von dort aus steuerst du dein Raumschiff, die Red Chamber, von einem Planeten zum anderen, schaltest Upgrades frei und kannst durchaus unterhaltsame E-Mails lesen (schon wieder lesen).

Die Aufmachung der Weltraumkarte ist gelungen und könnte so auch aus einem Blockbuster kommen.

Allerdings können wir nicht unbegrenzt weit reisen und müssen deshalb stets ein Auge auf den Treibstoff werfen. Falls wir leerlaufen sollten, schweben wir im All und müssen auf Abholung hoffen.

Da das Sonnensystem aber voll von Piraten und anderen finsteren Organisationen ist, muss man nebenbei noch auf eine ausreichende Panzerung achten, da man sonst schnell den Game-Over-Bildschirm sieht.

Das Reisen mit der Red Chamber, das Macro-Management mit dem Treibstoff und der Panzerung sowie das Haushalten vom Geld haben mir am meisten Spaß gemacht.

Denn irgendwann wird das Entdecken neuer Raumstationen und Co. dadurch erschwert, dass man weit fliegen muss, aber nur wenig Treibstoffreserven übrighat.

Obwohl ich alle Nebenmissionen und so gut wie alles auf der Karte entdeckt habe, war ich nie overpowered und hatte nie viel Geld – wie im echten Leben.

Starke Charaktere und eine emotionale Geschichte

Zu dem größten Pluspunkt des Spiels darf ich eigentlich nicht viel sagen. Denn die Ereignisse überschlagen sich im ca. 12-14 Stunden langen Spiel.

Verrat, Liebe, Hass, Freundschaft, Verlust und die Frage, wer ich bin beziehungsweise wer ich sein will, sind die Leitmotive in OPUS: Echo of Starsong.

Kaum ein Spiel zuvor hat es geschafft, die Beziehung zwischen den Hauptcharakteren so nachvollziehbar und emotional rüberzubringen, ohne kitschig oder albern zu werden.

Die Geschichte beginnt erwachsen und endet ebenso vollwertig.

Unterstrichen wird die Erzählung durch wunderschöne handgezeichnete Bilder, die Schlüsselszenen exzellent aufgreifen. Und die erstklassige Streich- und Klaviermusik tut ihr Übriges.

Fazit

OPUS: Echo of Starsong ist ein Fest für Freunde von storygetriebenen, textlastigen Spielen. Das Rätselsystem schwächelt zwar etwas, stellt aber dennoch eine angenehme Abwechslung zum sonstigen sehr passiven Spielerlebnis dar.

Die Grafik ist minimalistisch, aber mit Liebe zum Detail. Jede Pflanze und jede Schraube scheinen mit Absicht genau dort platziert worden zu sein, wo sie hingehören.

Die lebendige Spielwelt, die tollen Charaktere und die Ernsthaftigkeit der Geschichte zeichnen das Spiel aus.

Falls du kein Problem mit viel englischem Text hast und mal ein ruhiges, aber dafür umso emotionaleres Wochenende verbringen willst, kann ich dir OPUS: Echo of Starsong auf jeden Fall ans Herz legen.

Wertung

Grafik - 75%
Sound & Atmosphäre - 100%
Umfang - 60%
Spielspaß - 80%
Story - 90%

81%

Spielstunden: 10-14h

OPUS: Echo of Starsong ist ein emotionales Adventurespiel für ein ruhiges Wochenende. Voraussetzung: Lesebrille

User Rating: Be the first one !

Simon Pietras

Schreiberling, Gamer und Teetrinker.

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