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Death’s Gambit: Afterlife im Test – Metroidvania für Masochisten

Springen, Upgrades sammeln und nebenbei epische Bosse bezwingen – das erwartet dich in Afterlife! Allerdings solltest du Nägel schon zum Frühstück essen, denn dieser Indie-Titel ist hart!

Death’s Gambit ist bereits 2018 erschienen, erhält mit der Erweiterung, die am 01.10.2021 erschienen ist, jedoch einen tiefgreifenden Overhaul. Ich habe die Gelegenheit gepackt und das Spiel unvoreingenommen auf der Switch durchgezockt, um dir meinen Eindruck zu schildern.

Re-imagining: Das ändert sich mit Afterlife

Lohnt es sich die Erweiterung zu spielen, wenn man die Vanilla-Version schon gezockt hat? Auf jeden Fall – solange es dir Spaß gemacht hat! Afterlife ist nämlich kostenlos für alle erhältlich, die das Original bereits besitzen.

Auch wenn ich erst mit der Erweiterung eingestiegen bin, kann ich nach einigem Hilfesuchen in verschiedenen Guides bestätigen: Es hat sich eine Menge getan. Gefühlt ist kein Stein auf den anderen geblieben und das sollte auch (oder besonders) Veteranen erfreuen.

Die Neuerungen von Afterlife im Überblick:

  • 20+ neue Waffen
  • 8+ neue Gebiete mit 6 neuen Bossen
  • 90+ neue Talentpunkte
  • Überarbeitete Spielwelt mit neuen Gegnern und Routen
  • Überarbeitetes Kartensystem
  • Neue Enden
  • Viele Kleinigkeiten, darunter Quality-of-Life-Veränderungen

Follow the White Rabbit – Die Entwickler

Afterlife wurde, wie das Original, von White Rabbit entwickelt und von Adult Swim Games herausgegeben.

Adult Swim kennt man vielleicht von Rick & Morty, aber dass sie auch Videospiele publishen, war mir zumindest neu. Angesichts des doch sehr schmalen Portfolios von einer Handvoll Games, darf man mir hoffentlich diese Unwissenheit verzeihen.

Auch White Rabbit ist ein noch unbeschriebenes Blatt in der Gaming-Industrie. Ihr einziger Titel ist Death’s Gambit – und Afterlife, wenn man diesen als Standalone mitzählen will.

Das Studio ist so klein, dass sie nicht mal eine eigene Website haben. Ich konnte nur aus einem Interview ein paar Informationen ziehen.

Lead-Developer Jean Canellas entwickelte mit nur vier weiteren Leuten in Teil- und Vollzeit Death’s Gambit. Also richtig Indie!

Das sollte man bei der Bewertung wohl im Hinterkopf behalten. Jetzt aber Butter bei die Fische und ran ans eigentliche Spiel.

Stimmungsvoller Einstieg

Seelen, Untote und eine Quelle der Macht – das kommt alles recht bekannt vor. Die Nähe zum Dark-Souls-Universum offenbart sich nicht nur im Gameplay, sondern auch in der Spielwelt.

Wir erleben sehr früh im Spiel den Tod unseres Protagonisten Sorun, um kurz darauf von einer unbekannten Macht wiederbelebt zu werden. Zwischen Leichenbergen und Funkenregen beginnt unsere Reise, die sich ähnlich hoffnungslos und trist anfühlt, wie im großen Vorbild Dark Souls.

Es stellt sich heraus, dass niemand geringeres als der Tod höchstpersönlich uns in das (untote) Leben zurückgeholt hat. Der charismatische Sensenmann braucht uns, um ein Artefakt der Unsterblichkeit zu zerstören – Unsterblichkeit ist nämlich schlecht fürs Geschäft oder so ähnlich.

Unnötige Längen

Leider folgt dem stimmungsvollen Anfang ein träger Mittelteil und ein unspektakuläres Ende. Neben der Aufgabe vom Tod spielt die Suche nach der Mutter von Sorun eine große Rolle.

Aber dieser Storystrang war mir schon früh vollkommen egal. Unser Spielheld hat nämlich keine Vertonung und äußert sich nur in kurzen Sätzen im Textblock – langweilig.

Die anderen Charaktere sind alle voll vertont und das ausnahmslos hervorragend. Trotzdem war mir der Inhalt egal. Zu schnell wird man mit Namen und Städten, Legenden und Mythen bombardiert. Ohne Notizbuch ist es unmöglich, sich alle Beziehungen und Bedeutungen zu merken.

Vielleicht gilt das Gleiche wie bei Dark Souls: Wer sich mit der Story näher auseinandersetzt, wird sie verstehen und unglaublich toll finden. Anders als bei FromSoftware-Titeln hatte ich bei Death’s Gambit keine Lust, mich abseits vom Spiel mit der Welt zu beschäftigen.

Gameplay – Viele Waffen, wenig Abwechslung

Man kann das Spiel sehr gut als Metroidvania mit Dark-Souls-Elementen beschreiben. Es wird anfangs gehüpft, später mit Doppelsprung weiter gehüpft und zwischendurch gibt es viel Backenfutter mit obligatorischem Looten&Leveln.

Die Jungs von White Rabbit haben sich an einen großen Genre-Mix versucht, aber leider auf Kosten der Steuerung. Kontraintuitive Doppelbelegungen und ein träges Kampfsystem lassen einen stellenweise verzweifeln.

Selbst nach dem ersten Durchspielen (etwa 15-20 Stunden) verklicke ich mich noch manchmal. Und irgendwie fühlt es sich nie richtig an. Aber immerhin: Man kann die Steuerung auch komplett selbst belegen.

Gerade angesichts des neuen Metroids (Release 08.10.2021) ist auch das ungenaue Mapsystem, fehlender Fast-Travel und häufiges Verirren ein mäßiges Ärgernis.

Wie viel Dark Souls steckt drin?

Viel – zumindest scheint es so. Wenn wir sterben, stehen wir an einem zuvor besuchten Spawnpunkt wieder auf, aber verlieren beim Tod nicht etwas unsere EP, sondern eines unserer limitierten Heal-Items. Nette Abwechslung, die Frust erspart.

Der Looten&Leveln-Aspket ist mäßig gelungen. Wir verdienen mit jedem besiegtem Gegner EP und investieren diese in Stärke, Geschicklichkeit und Co. Dazu finden wir in der Spielwelt Items wie typische Verbrauchsgegenstände, aber auch Rüstungen.

Bei letzterer schaut man aber schnell nur auf die +XY-Werte und tauscht sie aus oder verschrottet sie zu Rohmaterialien, die zum Upgraden der Waffen benötigt werden.

Die Kosten zum Upgraden werden allerdings schnell exorbitant hoch, sodass man sich gut überlegen sollte, welche Waffe man verbessern möchte.

Außerdem bietet das Spiel ein Talentsystem, welches wir mit entsprechenden Punkten, die z. B. bei Bosskämpfen gewonnen werden, aufleveln.

Die Kämpfe – hart aber fair?

Was für ein Kampf! Man beachte meine HP und meine übrigen Heal-Items!

Neben dem klassischen leichten und schweren Schlag gibt es den Rollangriff, den Schlag aus Luft usw. Aktivierbare Fähigkeiten lockern die Prügelorgien gut auf und laden zum Ausprobieren ein.

Darüber hinaus sind die Kämpfe bockschwer. Ausweichen und Blocken ist absolute Pflicht. Am Anfang machen besonders die einzigartig designten Boss-Encounter viel Spaß. Doch leider erweist sich der Schwierigkeitsgrad im Mittelteil und am Ende als reiner Selbstzweck.

Die Bosse scheinen mitzuleveln, halten viel zu viel aus und schicken mich selbst mit gutem Equipment sekundenschnell ins Grab. Entweder das Spiel ist gewollt unfair schwer oder ich werde alt.

Außerdem doof: viele copy-paste Standard-Gegner, die sich durch fast jedes Level ziehen.

Hier haperts besonders

Schon früh im Spiel habe ich mich entschlossen, meine EP hauptsächlich in Stärke zu investieren, um besonders dicke Greatswords zu schwingen.

Aber wenn ich dann im Endgame einen Standard-Magier-Gegner mit dem starken Schlag auf die Mütze haue, zeigt er sich absolut unbeeindruckt. Ein Trefferfeedback ist kaum existent.

Daraus entwickelt sich nicht nur ein Gameplay-Nachteil, – denn wenn Gegner nicht „staggern“, verliert ein Zweihänder viel an Wert, – gleichzeitig fehlt das Gefühl, stärker zu werden.

Gepaart mit dem Mitleveln der Bosse fühlte sich jeder Bosskampf wie ein Rückschritt an. Den Endboss begegnete ich gefühlt nackt und mit Wattebäuschen.

Kopfschmerzen im Handheldmodus

Leider hat es das Indie-Team nicht geschafft, das Spiel an den kleinen Switch-Bildschirm anzupassen. Die Texte sind mickrig klein, alles wirkt reingestopft und unpoliert. Empfindliche Menschen werden unterwegs mit Death‘s Gambit: Afterlife keine Freude haben.

Übrigens empfindliche Menschen: Das Spiel flasht und gewittert mehr als Neon-Genesis-Evangelion-Filme: Ständig wird der Bildschirm weiß und überall schießen Blitze durch die Gegend. Zum Glück gibt’s im Menü die Option, das Effektfeuerwerk optisch zu reduzieren.

Abgesehen davon ist das Spiel aber recht hübsch, obwohl dieser Dead-Cells-Pixel-Look langsam übersättigt ist. Die Spielwelt überzeugt außerdem mit stilvollen Farbkontrasten. Das, ich nenne es mal „dunkle“ Level, sorgte z. B. für richtige Horror-Atmosphäre!

Die Bosse sind auch durchweg top designt und bleiben zumindest optisch in guter Erinnerung.

Großes Lob an die Synchronsprecher

Das Spiel steckt voller Humor, der häufig die vierte Wand bricht!

Death’s Gambit: Afterlife verfügt zwar über deutsche Texte, aber nur über englische Sprachausgabe. Diese ist allerdings aller erster Sahne! Besonders die Dialoge mit dem Herrn Tod, gesprochen von Matt Mercer, machen Spaß. Unter anderem auch deswegen, weil sie so humorvoll geschrieben sind!

Umso trauriger das unsere Spielfigur stumm bleibt. Da ist auf jeden Fall Potential verschenkt worden.

Ansonsten gibt es Standard-Kost auf die Ohren. Während ich anfangs noch mit Kopfhörern gespielt habe, empfand ich den Soundtrack später eher repetitiv. Aber im Netz gibt es andererseits viele Stimmen, die gerade den orchestralen Hintergrund loben – Jedem das Seine.

Abzüge bei der Performance

Das Spiel läuft an sich flüssig mit mittellangen Ladezeiten. Doch sobald auf dem Bildschirm viel passiert, etwa wenn man viele Gegner pullt und alle zusammen verprügelt, darf man stockende Bilder erwarten.

Außerdem hatte ich eine Handvoll Bugs, wie herumfliegende Texturen, gelegentliches Hängenbleiben an unsichtbaren Hindernissen und suizidale Gegner. Denn manchmal ist es vorgekommen, dass Gegner einen Mapabschnitt verlassen haben und daraufhin einfach den Löffel abgeben.

Während diese Fehler eher zum Schmunzeln führten, haben die zwei Crashes schon genervt. Angesichts von ca. 15 Stunden Spielzeit ist das zu viel!

Abschließendes Gefühl

Während ich bei den letzten Bossen immer mehr verzweifelte, stellte ich mir die Frage, ob ich nicht schon zu alt oder zu langsam für solche Spiele werde. Das hat der allgemeinen Motivation extrem geschadet.

Dennoch wollte ich das Pad nie aus der Hand legen: Eben noch den nächsten Abschnitt erkunden und oh! Okay, den Boss lege ich auch noch…

Aber insgesamt schafft Death’s Gambit: Afterlife es nicht, eine elementare Sache des Genres zu vermitteln – stärker werden und Erfolge feiern.

Eine Empfehlung kann ich also nur an die aussprechen, die am TV spielen und frustresistent sind. Da das Spiel auch billig zu haben ist (ca. 20 Euro), können auch Skeptiker ruhig zugreifen: Das Spiel hat Qualität!

Wertung

Grafik - 71%
Sound & Atmosphäre - 83%
Umfang - 75%
Spielspaß - 75%
Story - 60%

73%

Spielstunden: 15-20h

Death's Gambit: Afterlife ist ein unterhaltsames Metroidvania mit Souls-Like-Elementen - ein spannender Mix mit einigen Schwächen.

User Rating: Be the first one !

Simon Pietras

Schreiberling, Gamer und Teetrinker.

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