Death Stranding im Test

  • Story
  • Umfang
  • Grafik & Sound
  • Gameplay
  • Game Design
Death Stranding, das erste Hideo Kojima Game nach Metal Gear Solid, begann als Mysterium. Death Stranding sollte einen neuen Weg gehen und die Genre-Grenzen sprengen, abseits von den ausgelatschten Pfaden der Spieleindustrie.  Den Spieler erwartet ein neues Spielkonzept, eindrucksvolle Cut-Scenes mit prominenten Schauspielern und einen Story so mysteriös wie das Spiel selbst. Death Stranding erscheint im Juli für PC. Wir haben die PS4-Version für euch getestet und lüften einige Geheimnisse um euch die Kaufentscheidung leichter zu machen.

Keine Angst vor dem gestrandeten Tod

Die Zukunft von Amerika lastet auf den Schultern von Sam Porter Bridges. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Untergang brach plötzlich in Gestalt des Gestrandeten Todes über Amerika herein. Die Geister der Toten suchen die Welt der Lebenden heim und ein mysteriöser Zeitregen lässt alles altern und verfallen was er berührt. Wer sich nicht in seinen Bunker verkrochen hat ist entweder Terrorist oder wie Sam ein Teil von Bridges. Die Boten von Bridges beliefern die restliche Zivilisation mit allem was sie benötigen um zu überleben. Doch Sam ist für eine größere Aufgabe bestimmt. Er muss die Nation wieder einen. Na wenn es sonst nichts ist.

Ausgerüstet mit einem Q-Pid. Einer Halskette aus futuristischen USB-Sticks. Kann er das Land mit dem chiralen Netzwerk verbinden. Über das chirale Netzwerk können die Mitglieder der United Cities of Americas altes Wissen wiederherstellen, in der Hoffnung mehr über den Gestrandeten Tod herauszufinden. Nebenbei ist es auch nützlich um eine ganze Brücke aus dem 3D Drucker zu drucken. Doch eins nach dem anderen.

Alles in Death Stranding ist Fracht. Fracht trägt Sam auf dem Rücken und an seinem Körper. Wir können nur eine begrenzte Menge an Fracht und Gewicht mit uns führen. Ist Sam schwer beladen, verliert er schneller das Gleichgewicht. Mit jedem Sturz nimmt seine Fracht Schaden. Lieferungen werden dabei genauso wie unser Inventar behandelt, alles ist Fracht. Das wird bei der Routenplanung noch eine Rolle spielen.

Immer an unserer Seite: BB-28. Das BB sollte eigentlich entsorgt werden, doch Sam spürt schnell eine besondere Verbindung zu BB. BBs sehen die sonst unsichtbaren GDs. Zu Beginn des Spiels haben wir noch keine anderen Wahl als ihnen auszuweichen. GDs können uns nicht sehen, sie können uns nur hören. Wir entkommen den GDs wenn wir uns geräuschlos von ihnen wegbewegen. Dazu kann Sam die Luft anhalten, aber nur für einen Moment.

Das Baby ist gefangen in seiner Kapsel. Durch die Verbindung zu BB, schießen Sam immer wieder bildhafte Erinnerungen des Babys in den Kopf. Diese Szenen sind extrem verwirrend, für das voranschreiten der Handlung aber von zentraler Bedeutung.

Death Stranding BB-28

BB-28 begleitet uns auf unserer Reise. Wie ein normales Baby braucht es auch unsere Aufmerksamkeit

Was ist Death Stranding für ein Spiel?

Der Release der PlayStation 4 Version ist ein halbes Jahr her und die Community ist sich bis heute nicht einige, was Death Stranding nun sei. Ein Walking-Simulator? Ein Action-Game? Ein Adventure? Death Stranding lässt sich nicht einfach in eine Schublade stecken. Wir sind uns einig: Death Stranding ist auf jeden Fall kein Walking-Simulator. Wenn wir Death Stranding einem Genre zuordnen müssten, dann würden wir uns für Adventure entscheiden. Death Stranding verlangt mehr vom Spieler ab, als nur die Welt zu erkunden.

Death Stranding setzt den Spieler gezielt unter Druck. Entspannte und actionreiche Phasen wechseln sich harmonisch aber überraschend ab. Zu unseren Feinden zählen neben den GD’s auch die MULE’s. Eine Bande wilder Paketboten die süchtig nach Lieferungen sind. Sie scannen die Gebiete nach unserer Fracht und gehen aufs Ganze um sie uns abzunehmen. Das Spiel lässt uns wählen ob wir uns verteidigen wollen oder dem Konflikt lieber defensiv aus dem Weg gehen.

Optionen zu kämpfen gibt es viele. Die Herausforderung liegt darin die richtige Entscheidung zu treffen. Wenn es sein muss, können wir die Wahnsinnigen mit unserer Fracht vermöbeln. Nehmen dafür jedoch Schaden an der Ware in Kauf. Im Spielverlauf erhalten wir regelmäßig neue Waffen und Gegenstände. Die wir auch im Kampf gegen die GD’s einsetzen können.

 

Ist Death Stranding ein Multiplayer Spiel?

In Death Stranding seid ihr die ganze Zeit alleine unterwegs und trotzdem die ganze Zeit mit anderen Spielern verbunden. Zumindest wenn ihr online seid, Death Stranding könnt ihr auch ohne Internetverbindung spielen. Dann würde euch viel Charme des Spiels verloren gehen. Sobald wir ein Gebiet erschlossen (oder besser gesagt angeschlossen) haben, können wir unsere Infrastruktur mit anderen Spielern teilen. Was andere Spieler bauen kann auch in unserer Welt erscheinen. Die Anzahl der Likes sind vermutlich ein Kriterium, welche Gebäude in unserer Spielwelt auftauchen. Wir können Likes an andere Spieler vergeben und erhalten natürlich auch selbst welche. Ebenso praktisch sind die Schilder, die wir aufstellen können. Sie weisen auf Gefahren hin, die wir leicht übersehen hätten.

Der Multiplayer zieht sich durch das ganze Spielgeschehen. Verlieren andere Spieler Fracht, können wir sie abliefern. Davon profitieren beide Spieler und wir steigern schneller unseren Ruf bei einem Verteilerzentrum.  In Death Stranding ist alles miteinander verbunden. Die Toten und die Lebenden, die Menschen im Netzwerk und alle Sam Porter Bridges in allen Multiversen dadraußen.

 

Alles ist ebenso bizarr wie schön

Death Stranding ist vorallem eins: bildgewaltig. Das Kojima Game strotzt nur so vor eindrucksvollen Cut-Scenes, Symbolen und liebevollen Details. Die Filmsequenzen sind stellenweise so lang, dass man sich fragt ob Death Stranding wirklich ein Spiel oder eher ein interaktiver Film ist. Die Dialoge sind auch mal lang, redundant und ermüdend. Manchmal wäre weniger mehr gewesen.

Death Stranding ist kein Spiel für eine kurze Runde zwischendurch. Die dramatische und filmerische Erzählung lädt zum Vertiefen ein. Einmal in die Geschichte von Death Stranding eingetaucht, vergisst man schnell die Zeit um sich herum. Die postapokalyptische Welt von Death Stranding ist voll von bizarren und absurden Szenen. Die Erinnerungen von BB die plötzlich vor Sams Augen ablaufen, ebenso wie seine traumartigen Visionen. Allein der Fakt das Bridges Babys als Werkzeug verwendet ist absurd. Die Hintergrundgeschichte von Deadman setzt dem ganzen noch die Krone auf. In vielen Spielmomenten dachte ich nur WTF? Doch all das fügt sich perfekt in das Szenario von Death Stranding ein, nur bei den Granaten die aus Sams Ausscheidungen hergestellt werden bin ich mir da noch nicht so sicher. Aber hey wenn es funktioniert 💩.

Die Spielwelt von Death Stranding ist übrigens an die Natur Islands angelehnt. Euch erwartet kein Ödland voller Ruinen wie man es bei Fallout erwartet. Ihr streift durch Wälder, Berge, Wiesen, Täler und Flusslandschaften. So ziemlich alles was die Natur hergibt, sogar Steinwüsten. Das trägt zum Gefühl der Isolation bei, wird manchmal aber auch etwas fad. Um unsere Route im Auge zu behalten müssen wir uns an markanten Punkten in der Landschaft orientieren. Gelingt uns das mal nicht, werfen wie ein Blick auf unsere Karte. Die ist in unseren Handschellen integriert über die wir ständig erreich- und auffindbar sind. Was uns Hideo Kojima damit wohl sagen will?

Auf der Playstation 4 Pro mit HDR sieht die Natur wirklich verblüffend aus. Auf der Pro sieht Death Stranding noch einmal deutlich besser aus als auf der normalen Playstation 4. Death Stranding setzt auf hochauflösende Texturen und viele liebevolle Details. Wirklich verblüffend sind die Ladezeiten, denn es gibt keine. Nur zum Spielstart dauert es dafür etwas länger. Das wir die meiste Zeit allein unterwegs sind, begünstigt die Performance des Spiels.

Der Soundtrack mag Geschmackssache sein. Musik liefern die Indie Bands Chrvches und Low Roar sowie das japanische Elektro Zweigespann Silent Poets. Unsere Reise wird von überwiegend akustischen und etwas bedrückenden folk-mäßigen Songs untermalt. Die sind zwar stimmig aber unglaublich monton. Da wäre sicher mehr drin gewesen. Sound Design und Filmmusik des Spiels sind großartig. In der Collectors Edition ist der Soundtrack bereits enthalten. Song und Filmmusik sind auch seperat erhältlich.

 

Einzigartiges Storytelling haucht Death Stranding Leben ein

In den ersten Spielstunden erweckt alles den Eindruck als hätte jeder Charakter seinen eigenen Handlungsstrang. Wer Gut und Böse ist scheint klar. Doch mit jedem Kapitel werden unsere Erwartungen auf den Kopf gestellt. Am Ende finden alle Handlungen zusammen, alle offenen Fragen werden am Ende spektakulär aufgelöst. Hideo Kojima spielt gekonnt mit Verwirrung und gestreuten kleinen Hinweisen. An der Stelle möchten wir auf keinen Fall spoilern.

Die großartige Leistung der Schauspieler macht Death Stranding lebendig. Die Rollen sind besetzt mit bekannten Filmstars wie Norman Reedus (The Walking Dead) als Sam Porter Bridges und Guillermo del Toro (Shape of Water) als Deadman. In diesem Video könnt ihr einen Eindruck gewinnen, wie aufwendig Death Stranding produziert wurde.

Das Gameplay hat auch schwache Momente

Das Gameplay ist überraschend vielfältiger als wir zuerst erwarteten. Wir haben eine Vielzahl an Möglichkeiten wie wir unsere Lieferung an den Mann bringen. Dabei müssen wir einen Kompromiss aus Zeit, Frachtzustand und Risiko finden. Denn nach jeder Lieferung werden wir bewertet und enthalten dementsprechend Likes vom Empfänger. Umso besser unser Ruf im Gebiet eines Empfänger umso mehr können wir die Infrastruktur ausbauen.

Wir haben eine Auswahl an Fahrzeugen und Exoskeletten die uns das Leben leichter machen können. Obwohl der Aspekt des Bauens eigentlich ganz cool ist, haben wir es in der Haupthandlung viel zu selten in Anspruch genommen. Leiter und Seile reichen in der Regel aus. Notwendigkeiten sehen wir zwar oft genug, nur ist es oft leichter einfach auf den zusätzlichen Ballast durch die Materialien zu belasten. Ein Umkehren um Materialien zu holen, kostet zusätzliche Zeit. Das ist schade, denn dadurch rückt ein zentrales Element des Spiels in den Hintergrund. Wenn man sich die Nebenmissionen nicht fürs Ende aufhebt, sieht das eventuell anders aus. Das würden wir euch zugunsten des Spielspaßes empfehlen. (Geheimtipp: speichert vor jeder Pizza).

Einige Gameplay Elementen sorgen aber für Frust. Da wäre zum einen die etwas überladene Steuerung und nicht immer nachvollziehbare Tastenbelegung. Doch damit kann man sich anfreuden. Mit den Stürzen die teilweise sehr willkürlich wirken, tue ich mich schwer. In einem Moment rast Sam noch wie Speedy Gonzalez den steilen Abhang herunter um unten angekommen über einen kleinen Stein zu stolpern. Das ist nicht immer nachvollziehbar und besonders frustrierend.

 

No Risk = No Fun?

Sam ist ein Wiederkehrer. Wird er von den GDs geschnappt, landet er in der Fuge. Einer Unterwasserwelt zwischen zwei Stränden. Dort kann Sam sich wiederbeleben und trifft auch auf die leblosen Körper anderer Spieler. Berühren wir diese, stehen uns mehr NPC’s im Kampf gegen die GDs zur Seite, indem sie uns nützliche Ausrüstung zu werfen. Kehren wir aus der Fuge zurück, hat unsere Fracht erheblichen Schaden genommen. Ob wir die GDs besiegen oder nicht, am Ende verschwinden sie sowieso. In Death Stranding zu sterben ist (fast) unmöglich. Wirkliche Konsequenzen scheint es nicht zu geben, das Spiel geht auch nach einem Rückschlag linear weiter. Das finden wir etwas Schade. Guter Spielspaß lebt vom richtigen Maß an Risiko.

Kämpfe in Death Stranding

 

Fazit

Zugegeben Death Stranding kann nicht allen gefallen. Das trifft wohl ausnahmslos auf jedes Spiel mit einem innovativen Game Design zu. Death Stranding vereint bekannte Gameplay Elemente, kombiniert sie neu und erschafft damit vielleicht ein neues Genre. Hideo Kojima erreicht damit einen neuen Höhepunkt in seinen kreativen Schöpfung. Die atemberaubende Story lässt die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und nimmt den Spieler mit auf eine melancholische und philosophische Reise. Eine Reise die sich besonders um eins dreht: die Verbindungen zwischen uns und der Welt die alles durchdringen.

Alle Fakten zu Death Stranding

Genre Action-Adventure
Release PC: 14. Juli 2020
PS4: 8. November 2019
Publisher Sony Interactive Entertainment, 505 Games
Entwickler Kojima Productions
Umfang Hauptspiel: 40 – 50 Stunden
Insgesamt: 120 Stunden
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Heiß diskutiert

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    Zocki says:
    Wirklich guter Beitrag! Der Ersteller hat auf jeden Fall Ahnung von der Materie! Freue mich auf zuk...

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